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Damit Deutschland mobil bleibt
Mobilität und Konjunktur nachhaltig fördern
Bus&Bahn Heft 1/2009
Kommentar
VDV-Präsident Günter Elste


Mit einem Minus von zwei Prozent ist die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2008
stärker eingebrochen als es alle Ökonomen erwartet hatten. Kurzarbeit und erste
Insolvenzen sind die Folge. Die Bundesregierung hat daher das größte
Konjunkturprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Ein
mutiger Schritt. Mit Blick auf die Förderung von klimafreundlicher Mobilität besteht jedoch
noch Verbesserungsbedarf!

Die Bundeskanzlerin hat in ihrer Neujahrsansprache betont, dass sie nicht alte Fehler
wiederholen wolle, indem man Wirtschaft und Umwelt gegeneinander ausspiele.
„Wirtschaft und Klimaschutz, Klimaschutz und Wirtschaft – das geht zusammen, wenn man
es nur will. Und wir wollen es“, so die Kanzlerin. Mit dem Konjunkturprogramm wird
dieses Ziel jedoch nicht erreicht. 1,5 Milliarden Euro gibt die Bundesregierung im Jahr
2009 für die so genannte Abwrackprämie aus. Wer ein mindestens neun Jahre altes
Fahrzeug verschrottet und einen Neuwagen oder einen Jahreswagen der Schadstoffklasse
Euro-4 bis Jahresende kauft und zulässt, erhält vom Staat 2.500 Euro.

Diese Maßnahme ist mit Blick auf die ins Trudeln geratene Automobilbranche und den
Arbeitsmarkt politisch nachzuvollziehen. Nicht nachzuvollziehen ist jedoch, dass man
nicht gleichzeitig die Förderung des klimafreundlichen Öffentlichen Personennahverkehrs
(ÖPNV) mit einer ähnlichen Summe bedenkt. Busse und Bahnen sichern die Mobilität von
Personen und Gütern deutschlandweit. Dabei produzieren sie für die gleiche Leistung nur
ein Drittel des CO2, den ein Pkw produziert. Konservativ gerechnet senkt der Öffentliche
Verkehr den CO2.-Ausstoß in Deutschland pro Jahr um 15 Millionen Tonnen. Das ist so
viel wie die Stadt Hamburg im Jahr emittiert.

Die politische Attraktivität eines Konsumgutscheins in Höhe von 2.500 Euro für den
Autokauf ist nachvollziehbar. Investitionen in den ÖPNV werden vom Wähler vielleicht nicht
so direkt wahrgenommen, doch am Ende erreichen sie viel mehr Menschen als die
beschlossene Abwrackprämie. Schließlich nutzen 28 Millionen Menschen jeden Tag Busse
und Bahnen. Der ÖPNV ist eine Zukunftsbranche.

Die kommunale ÖPNV-Infrastruktur hat Investitionen dringend nötig, um den Umfang und
die im internationalen Vergleich sehr gute Qualität zu sichern. Viele Anlagen entstanden in
den 60er und 70er Jahren. Daher sind wir jetzt an dem Punkt, dass diese Anlagen
dringend erneuert werden müssen. Allein im Ruhrgebiet belaufen sich die
Erneuerungsinvestitionen nur für die Straßen- und Stadtbahnen in den nächsten zehn
Jahren auf 2,5 Milliarden Euro! Fatal ist, dass es für die Erneuerung der Anlagen kein
Finanzierungsinstrument gibt. Die Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes
(GVFG) dürfen nur für Aus- und Neubau verwendet werden.

Um ein klimapolitisches Gegengewicht zur Förderung der Automobilität zu schaffen, ist es
daher sinnvoll, mit rund 850 Millionen Euro im Jahr aus dem Konjunkturprogramm
Erneuerungsinvestitionen im ÖPNV zu ermöglichen und die Länderprogramme des
Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes aufzustocken. Gegebenenfalls muss für die
Erneuerungsinvestitionen ein neues Finanzierungsinstrument geschaffen werden. Im
Rahmen des GVFG und bei Erneuerungsmaßnahmen liegen kommunale ÖPNV-Projekte
fertig geplant in der Schublade. Sie können sofort umgesetzt werden. Das dient der
heimischen Bau- und Ausrüstungsindustrie, insbesondere dem Mittelstand. Mit einem
Sonderprogramm Fahrzeugförderung für Omnibusse und Schienenfahrzeuge in Höhe von
400 Millionen Euro jährlich könnte der ÖPNV weiter profitieren. Gleichzeitig würden
heimische Arbeitsplätze bei Busherstellern gesichert.

Mit diesen 1,25 Milliarden Euro könnte die Bundesregierung ein ideales Pendant zur
Abwrackprämie schaffen und damit ihren klimapolitischen Zielen und der
Konjunkturförderung Rechnung tragen. Insgesamt hat der VDV errechnet, dass bei Bussen
und Bahnen sogar Infrastrukturprojekte für 2,15 Milliarden Euro im Jahr sofort
konjunkturfördernd umsetzbar sind.



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